Werkstoff Duroplast · Eigenschaften

Formstabilität von Duroplast: Präzision, die bleibt

Die Formstabilität von Duroplast beruht auf der dreidimensionalen, irreversiblen Vernetzung seiner Makromoleküle: Das Material erweicht unter Wärme nicht, kriecht auch unter Dauerlast kaum und hält seine Maße über einen weiten Temperaturbereich. Gefüllte Phenolharz-Formmassen erreichen Zug-E-Moduln von 7.500 bis 8.000 MPa, BMC-Typen Biege-E-Moduln ab 12.000 MPa. In der Serienfertigung von Baumgarten trägt diese Steifigkeit Präzisionsbauteile mit Höhentoleranzen bis 10 µm.

01 · Werkstoffverhalten

Warum ist Duroplast so formstabil?

Duroplaste härten im heißen Werkzeug zu einem engmaschigen, dreidimensionalen Polymernetzwerk aus. Diese Vernetzung ist chemisch irreversibel: Es gibt keinen Schmelzbereich, in dem sich Molekülketten unter Last oder Wärme gegeneinander verschieben könnten. Ein ausgehärtetes Duroplast-Bauteil behält seine Geometrie deshalb dauerhaft — auch unter Bedingungen, unter denen Thermoplaste erweichen oder fließen.

Das zeigt sich am deutlichsten im Kriechverhalten. Ein glasfaserverstärktes Phenolharz (30 % Glasfaser) verändert seine Länge bei 20 N/mm² Dauerlast und 150 °C über hunderte Stunden nur minimal; technische Thermoplaste wie PA66, PET oder PBT kriechen unter denselben Bedingungen stark. Quelle ist ein Fachvortrag der Duresco GmbH zu Epoxid-Formmassen.

Ein zweiter Effekt kommt hinzu: An Bindenähten sinkt die Festigkeit von Thermoplast-Bauteilen oft auf 30 bis 50 Prozent des Ausgangswertes. Bei Duroplasten bleibt sie erhalten, weil die Moleküle über die Fließfront hinweg chemisch miteinander reagieren.

Messuhr vermisst ein Duroplast-Bauteil — Prüfung der Maßhaltigkeit
Maßhaltigkeit, geprüft: Duroplast-Bauteil unter der Messuhr

02 · Kennwerte

Steifigkeit und Maßhaltigkeit in Zahlen

7.500–8.000MPaZug-E-Modul gefüllter Phenolharz-Formmassen (Datenblätter Kern PF 31/51)
≥12.000MPaBiege-E-Modul gefüllter BMC-Typen (Datenblatt Lomix BMC 0204)
~0,01%Nachschwindung von Epoxid-Formmassen — praktisch vernachlässigbar

Zur Steifigkeit kommt die Maßkonstanz über Temperatur: Der Wärmeausdehnungskoeffizient duroplastischer Formmassen ist niedrig und bei Epoxid-Typen über die Füllstoffwahl auf etwa 15 bis 30 ppm/K einstellbar — passend zu Aluminium- oder Kupfer-Einlegern. Bauteilmaße bleiben damit über einen weiten Temperaturbereich stabil, thermische Spannungen in Verbundbauteilen sinken.

Die ehrliche Kehrseite: Duroplaste sind spröder als Thermoplaste. Gefüllte Phenolharz-Formmassen erreichen Bruchdehnungen unter einem Prozent; schlagartige Belastungen berücksichtigt deshalb schon die duroplastgerechte Konstruktion. Wie beide Werkstoffklassen sich insgesamt vergleichen, zeigt der Thermoplast-Duroplast-Vergleich.

Quellen: Hersteller-Datenblätter (Kern PF 31/51, Lomix BMC 0204, Raschig Epoxidur) und Duresco-Fachvortrag, recherchiert 07/2026. Typabhängige Bereiche marktüblicher Formmassen — verbindlich ist das Datenblatt der gewählten Formmasse.

03 · Praxis

Was bedeutet Formstabilität für Ihr Bauteil?

Formstabilität wird immer dann zum Auswahlkriterium, wenn Funktionsflächen dauerhaft passen müssen: Dichtflächen, Lagersitze, Führungen, verschraubte Gehäuse. Duroplast-Bauteile fallen mit diesen Flächen werkzeugfallend aus dem Spritzgießwerkzeug — eine Nacharbeit durch Zerspanen, wie sie beim Aluminium-Druckguss üblich ist, entfällt in der Regel. Für Konstrukteure, die Metall ersetzen wollen, ist das neben dem Gewicht das stärkste Argument: mehr dazu auf der Seite Metallsubstitution mit Duroplast.

Wie viel Präzision in Großserie erreichbar ist, belegt ein Serienbauteil aus Burbach: ein Ölpumpenstellring mit 10 µm Höhentoleranz, gehalten über die gesamte Laufzeit durch adaptive Prozessregelung. Der Fachbeitrag Präzision im Duroplast-Spritzguss fasst die Ergebnisse aus der Kunststoffe 12/2018 zusammen. Wie das Verfahren selbst funktioniert, erklärt die Seite Duroplast-Spritzguss in Großserie — und welche Prüftechnik die Maßhaltigkeit absichert, die Seite Qualität & IATF 16949.

Alle fünf Duroplast-Eigenschaften im Überblick →

04 · Häufige Fragen

Formstabilität von Duroplast: häufige Fragen

Kriecht Duroplast unter Dauerlast?

Kaum. Die dreidimensionale Vernetzung verhindert, dass sich Molekülketten unter Last gegeneinander verschieben. Ein glasfaserverstärktes Phenolharz mit 30 Prozent Glasfaseranteil zeigt bei 20 N/mm² Dauerlast und 150 °C über hunderte Stunden nur eine minimale Längenänderung — technische Thermoplaste wie PA66, PET oder PBT kriechen unter denselben Bedingungen deutlich. Für dauerbelastete Bauteile wie Kolben, Flansche oder verschraubte Gehäuse ist das der entscheidende Unterschied.

Wie präzise lassen sich Duroplast-Bauteile fertigen?

Duroplast-Spritzguss erreicht Toleranzen, die sonst der Zerspanung vorbehalten sind. In der Serienfertigung von Baumgarten läuft ein Ölpumpenstellring mit 10 µm Höhentoleranz, dokumentiert in der Fachzeitschrift Kunststoffe 12/2018. Grundlage sind die sehr geringe Schwindung duroplastischer Formmassen (Nachschwindung von Epoxid-Formmassen: rund 0,01 Prozent), der geringe Wärmeausdehnungskoeffizient und eine adaptive Prozessregelung, die Chargenschwankungen ausgleicht.

Ist Duroplast spröde?

Ja, Duroplaste sind spröder als Thermoplaste — das gehört zur ehrlichen Betrachtung des Werkstoffs. Gefüllte Phenolharz-Formmassen erreichen Bruchdehnungen unter einem Prozent. Schlagartige Belastungen müssen deshalb bereits in der duroplastgerechten Konstruktion berücksichtigt werden, etwa über Verrippung und Radien. Faserverstärkte Typen wie BMC verbessern die Zähigkeit spürbar; die Konstruktionsberatung gehört bei Baumgarten zum Projektstart.

Zuletzt aktualisiert: 13.07.2026

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