Werkstoff Duroplast · Eigenschaften

Temperaturbeständigkeit von Duroplast

Duroplaste erweichen beim Erwärmen nicht, weil ihren vernetzten Makromolekülen der Schmelzbereich fehlt. Phenolharz-Formmassen erreichen laut Datenblättern Dauergebrauchstemperaturen von etwa 130 bis 150 °C, Epoxid-Formmassen bis 210 °C (IEC 60216), BMC-Typen eine Wärmeformbeständigkeit von 260 °C und mehr. Kurzzeitig widerstehen duroplastische Bauteile thermischen Belastungen von mehreren hundert Grad Celsius — bei nahezu unveränderter Formstabilität.

01 · Werkstoffverhalten

Warum erweicht Duroplast nicht?

Thermoplaste bestehen aus unverbundenen Molekülketten, die bei Wärme beweglich werden — das Material erweicht, schmilzt und verliert seine Festigkeit lange vor der Schmelztemperatur. Duroplaste sind anders aufgebaut: Ihre Makromoleküle sind über kovalente Bindungen zu einem festen Netzwerk verbunden. Wärme löst diese Bindungen nicht; erst oberhalb der Zersetzungstemperatur zerfällt das Material, statt zu schmelzen.

Die Konsequenz für die Praxis: Die mechanischen Werte von Duroplast bleiben bei 200 °C nahezu erhalten, während die Leistung technischer Thermoplaste dort deutlich einbricht — auch bei glasfaserverstärktem PA66. Hochtemperatur-Thermoplaste erreichen oft Glasübergangstemperaturen um 90 °C; getemperte Phenolharze liegen bei 270 bis 300 °C. Auch die elektrischen und dielektrischen Eigenschaften bleiben unter Temperatur stabil, was für elektrisch isolierende Bauteile entscheidend ist.

KraussMaffei-DuroSet-Maschine mit Förderband und heißem Werkzeug
Aushärtung im heißen Werkzeug (150–190 °C) statt Schmelzen

02 · Kennwerte

Welche Temperaturen hält welche Duroplast-Klasse aus?

Temperatur-Kennwerte typischer Duroplast-Formmassen (typabhängige Bereiche)
Kennwert PF (Phenolharz) EP (Epoxidharz) BMC (UP-Harz)
Dauergebrauchstemperatur ~130–150 °C bis 210 °C (IEC 60216)
Wärmeformbeständigkeit HDT/A (1,8 MPa) ~180 °C ≥260 °C
Glasübergangstemperatur 270–300 °C (nach Temperung) ~110–250 °C (einstellbar)
Brandverhalten typabhängig, bis UL94 V-0 UL-Isolierstoffklasse H (>180 °C) UL94 V-0 bei 0,4 mm, halogenfrei

Quellen: Hersteller-Datenblätter (Kern PF 31/51, Raschig Epoxidur, Lomix BMC 0204), Duresco-Fachvortrag und K-Zeitung-Fachbeiträge, recherchiert 07/2026. „—" = für die Klasse nicht pauschal belegt; verbindlich ist das Datenblatt der gewählten Formmasse.

03 · Praxis

Wo entscheidet die Temperaturbeständigkeit?

Im Motor- und Getriebeumfeld arbeiten Bauteile dauerhaft in heißem Öl, Bremskolben kurzzeitig bei Temperaturen jenseits von 400 °C — zu viel für Thermoplaste, zugleich klassische Metalldomänen mit Nacharbeitskosten. Genau in dieser Lücke ersetzt Duroplast Metall: Die Seite Metallsubstitution zeigt Vergleich und Grenzen, die Branchen-Seite Automotive die Serienanwendungen.

In der E-Mobility stellen Leistungselektronik und Statoren Anforderungen von teils über 180 °C an die Umhüllung — bei gleichzeitiger elektrischer Isolation. Duroplastische Formmassen erfüllen beides; BMC bringt zusätzlich die Wärmeformbeständigkeit von 260 °C und mehr für Scheinwerfer- und Hochvolt-Komponenten mit. Vertiefung: BMC-Spritzguss und die Branchen-Seite E-Mobility.

Wie sich Duroplast und Thermoplast im Temperaturverhalten grundsätzlich unterscheiden, zeigt der Thermoplast-Duroplast-Vergleich; alle fünf Werkstoff-Eigenschaften bündelt die Werkstoff-Übersicht.

04 · Häufige Fragen

Temperaturbeständigkeit: häufige Fragen

Bei welcher Temperatur versagt Duroplast?

Duroplast schmilzt nicht, sondern zersetzt sich erst oberhalb seiner Zersetzungstemperatur (Pyrolyse). Unterhalb davon bleibt das Bauteil formstabil: Kurzzeitig hält es thermischen Belastungen von mehreren hundert Grad Celsius über viele Minuten stand. Für den Dauereinsatz gelten die typspezifischen Dauergebrauchstemperaturen — etwa 130 bis 150 °C bei Phenolharz-Formmassen, bis 210 °C bei Epoxid-Formmassen nach IEC 60216.

Warum verliert Duroplast bei 200 °C kaum Festigkeit?

Weil vernetzten Duroplasten der Schmelzbereich fehlt, bleiben ihre mechanischen Werte bei 200 °C nahezu erhalten — während die Leistung technischer Thermoplaste dort deutlich einbricht, auch bei glasfaserverstärktem PA66. Hochtemperatur-Thermoplaste haben oft Glasübergangstemperaturen um 90 °C; getemperte Phenolharze erreichen dagegen Glasübergangstemperaturen von 270 bis 300 °C. Quelle: K-Zeitung, „Wo Duroplaste ihre Stärken ausspielen".

Ist Duroplast flammwidrig?

Typabhängig ja. Duroplaste bringen ein vorteilhaftes Brand- und Selbstlöschverhalten mit; BMC-Typen erreichen die Brandklasse UL94 V-0 bereits bei 0,4 mm Wanddicke — halogenfrei, also ohne bromierte oder chlorierte Flammschutzmittel. Verbindlich ist immer die Einstufung im Datenblatt der konkreten Formmasse; für sicherheitsrelevante Anwendungen prüfen wir die Materialauswahl im Projekt.

Zuletzt aktualisiert: 13.07.2026

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