01 · Ausgangslage
Warum schwankt der Prozess von Charge zu Charge?
Duroplastische Formmassen vernetzen im heißen Werkzeug chemisch und unumkehrbar. Der Fachbeitrag in der Kunststoffe 12/2018 nennt sie im Titel „störungsanfällige Frühvernetzer", und das benennt das Kernproblem der Serienfertigung: Das Verarbeitungsverhalten hängt an zwei Größen, die keine Lieferung exakt gleich mitbringt — Reaktivität und Viskosität. Verschiebt sich eine davon, wandert der Prozess. Ohne Gegenmaßnahme wird aus der Chargenschwankung eine Ausschussquelle. Was Duroplaste sind und warum sie chemisch vernetzen, erklärt unsere Übersicht zum Werkstoff Duroplast.
Die naheliegende Antwort ist Prüfen im Wareneingang. Der dort übliche Orifice-Flow-Test (OFT) hat allerdings eine dokumentierte Grenze: Er liefert einen Mischwert aus Reaktivität und Viskosität. Ob eine auffällige Charge also zäher fließt oder schneller vernetzt, lässt sich aus dem einen Prüfwert nicht ablesen. Die Wareneingangsprüfung erkennt Abweichungen, erklärt sie aber nicht. Die Schwankung erreicht die Maschine.
Wie unterschiedlich sich Formmassen unter Druck verhalten, zeigen die Kompressionsmessungen des Beitrags: Ein organisch gefülltes Phenolharz (PF) staucht sich bei 1000 bar um 3,7 %, ein zu 80 % mit Glasfasern und Mineral gefülltes PF nur um 1,8 %. Zwischen zwei Rezepturen liegt beim Kompressionsverhalten also mehr als der Faktor zwei.
1000 bar
Druck der Kompressionsmessung im Fachbeitrag
3,7 %
Stauchung: organisch gefülltes PF
1,8 %
Stauchung: PF mit 80 % Glasfaser- und Mineralfüllung